Endoprothetik

Patienteninformation

Die Nachbehandlung nach einem künstlichen Hüft- und Kniegelenk

Die Belastbarkeit des künstlichen Gelenkes

Fast alle künstlichen Gelenke sind durch ihre Fixierung im Knochen mit sogenanntem Knochenzement im Grunde unmittelbar nach der Operation vollbelastbar. Dies gilt sowohl für Kniegelenkendoprothesen, voll- und teilzementierten Hüftendoprothesen, sofern der Prothesenschaft zementiert wurde. Die von uns verwendeten Titanpfannen bei teilzementierten Gelenken weisen eine so hohe primäre Stabilität auf, dass auch hier eine Vollbelastbarkeit gegeben ist. Dennoch empfiehlt sich auch bei diesen Gelenken die Nutzung von Gehhilfen, da es in der Folge gilt, einige Anpassungsvorgänge, wie unten erläutert, zu ermöglichen.

Eine ganz andere Philosophie verfolgt die zementfreie Endoprothetik, was sich auf die Belastbarkeit des Prothesenschaftes für den Oberschenkelknochen auswirkt. Implantate für die zementfreie Endoprothetik bestehen grundsätzlich aus Titan und weisen eine raue Oberflächenstruktur auf. Teilweise sind sie sogar mit speziellen Calcium-Salzen beschichtet. Für diese Implantate ist eine biologische Einheilung nachgewiesen. Zwar verklemmen sich auch diese Prothesen bei der Operation so stabil, dass eine hohe Belastbarkeit vorliegt und einige Kliniken erlauben auch in diesen Fällen eine sehr frühe Vollbelastung, aber der Prozess der knöchernen Integration kann durch eventuelle Mikrobewegungen beeinträchtig werden. Auch kann es durch ein so genanntes „Setzen“ (weiteres Einsinken des Implantates) zu einer Veränderung der Kontakt- und damit Verklemmungspunkte des Prothesenschaftes kommen, die im ungünstigen Fall ein dauerhaftes Schwingen der Prothese provoziert, was eine frühzeitige Lockerung auslösen kann. Aus diesen Gründen vertreten wir eine konservative Nachbehandlung, indem wir grundsätzlich eine 6-wöchige Teilbelastungsphase (20-30 kg) empfehlen. Mit der Einführung speziell mit Hydroxylapatit (HA)-beschichteter Prothesenschäfte kann dies in vielen Fällen entfallen. Bei HA handelt es sich um ein Calzium-Salz, welches der anorganischen Grundsubstanz des Knochens entspricht. Ein sehr schnelles Einwachsen der Implantate ist die Folge.

Die Rehabilitation

Während der stationären Behandlung liegt der Behandlungsschwerpunkt auf ersten Bewegungsübungen, die es ermöglichen sollen, das operierte Gelenk wenigstens rechtwinklig zu beugen, und einer Gangschulung mit eventuellen Belastungsvorgaben. Damit ist aber nur ein Minimalanspruch erfüllt. Die Entwicklung einer Arthrose ist meist ein lange verlaufender Prozess, der über viele Jahre hinweg zu Anpassungsvorgängen im Körper führt. Das bedeutet, Muskeln werden schwächer, verkürzen, oftmals kommt es auch zu chronischen Schiefständen des Beckens und der Wirbelsäule, die ebenfalls Beschwerden verursachen können. Diese Anpassungsvorgänge sind mit der Operation nicht schlagartig aufgelöst. Alleine hieraus ergibt sich die Notwendigkeit einer intensiven Nachbehandlung und Rehabilitation. Aber auch der Körper muss sich insgesamt erholen und wieder an Ausdauer gewinnen. Diese erste Phase der Rehabilitation wird oft mit der klassischen Anschlußheilbehandlung (AHB) gleichgesetzt. Hierzu ist ein weiterer Aufenthalt von wenigstens 3 Wochen in einer speziellen Rehabilitationsklinik erforderlich. Die Aufnahme einer solchen AHB-Maßnahme kann als Direktverlegung aus der operierenden Klinik, aber auch von zuhause aus erfolgen. Hier sind wir bemüht uns an Ihren Wünschen zu orientieren. Dies gilt auch für die Auswahl der Einrichtung, wobei dies letztlich an die Vertragsgestaltung ihres Versicherungsträgers gebunden ist.

Eine solche Nachbehandlung muss aber nicht zwingend stationär erfolgen. In vielen Fällen ist die Durchführung durchaus ambulant möglich, wobei das Augenmerk in der angepassten Beübung des operierten Gelenkes und dem beginnenden Kraftaufbau liegt, der Verbesserung der Beweglichkeit und der allgemeinen Ausdauerstärkung. Die Durchführung einer solchen ambulanten Nachbehandlung kann durch einen Abholservice für Sie ebenso komfortabel gestaltet werden, wie eine stationäre Rehabilitation, nur, dass Sie in ihrem eigenen Bett schlafen. Entscheidend sind am Ende die privaten Lebensumstände und das Bewusstsein, dass man noch in der unmittelbaren Nachbehandlungsphase einer komplexen Operation ist, also nicht aktiv an der Alltagsgestaltung (z.B. Haushaltsführung) teilnehmen sollte. Lassen Sie sich versorgen!

Mit Beendigung der Anschlußheilbehandlung ist im Regelfall die Vollbelastbarkeit des künstlichen Gelenkes gegeben, auch wenn teilweise noch Gehhilfen genutzt werden sollten.

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