Endoprothetik
Patienteninformation
Die Nachbehandlung nach einem künstlichen Hüft- und Kniegelenk
Weiterbehandlung und Einfluss auf die Lebensführung
Auch mit Beendigung der direkten Rehabilitation ist die volle Funktionsfähigkeit des künstlichen Gelenkes noch nicht erreicht. Zu komplex sind die Vorschäden, die die Entstehung des Gelenkverschleißes mit sich bringen: Veränderungen in der Statik, Anpassungen des Bandapparates, Muskelverkürzungen und —schwächen. All diese Veränderungen sind weder mit der Operation und auch nicht durch die unmittelbare Rehabilitation rückgängig gemacht. Zum Teil resultiert hierdurch eine Gangunsicherheit mit Sturzgefährdung, die die weitere Nutzung von Gehhilfen sinnvoll macht, auch wenn das eigentliche Gelenk schon längst vollständig belastbar ist.
Viele dieser Veränderungen benötigen einfach nur Zeit und durch den zunehmenden Gebrauch normalisieren sich die meisten Bewegungsabläufe. In einzelnen Fällen kann aber auch noch nach der eigentlichen Reha-Phase die Weiterverordnung von Krankengymnastik und Krafttraining sinnvoll sein, um die Beweglichkeit zu fördern und die Stabilität zu verbessern.
Daneben darf man nicht vergessen, dass die Operation nicht nur in der Haut eine Wunde hinterlässt, die erst zu einer blassen Narbe „reifen“ muss. Dieser Heilungsprozess gilt auch für alle tiefer gelegenen Gewebsschichten. So müssen die Gleitfunktionen zwischen der Muskelhülle und der Muskulatur wieder hergestellt werden, die Gelenkkapsel muss sich ebenso neu bilden, wie auch Lymphgefäße, wobei letzteres die länger bestehende Schwellneigung des operierten Beines erklärt. Diese Anpassungsvorgänge benötigen insgesamt wenigstens ein halbes Jahr, vorsichtigere Untersuchungen sprechen sogar von bis zu 2 Jahren, bis die volle Funktionalität beispielsweise einer Knieprothese erreicht ist. Diese Verläufe sind ebenso individuell wie die Endergebnisse nach der Operation eines künstlichen Gelenkes. Dabei ist die Streuweite nach Kniegelenksoperationen deutlich breiter als bei künstlichen Hüftgelenken.
Gerade in der ersten Zeit sind jedoch einige Besonderheiten zu beachten. Während die Ausrenkung einer Knieendoprothese in der Regel erhebliche Kräfte voraussetzt und damit eine Ausnahme sein wird, besteht bei einer Hüftendoprothese grundsätzlich ein höheres Risiko für die Ausrenkung des Gelenkes. Funktionalität und Stabilität eines künstlichen Hüftgelenkes hängen dabei von vielerlei Faktoren ab. Positionierung der Kunstpfanne, Absetzungshöhe des Schenkelhalses, Auswahl der Kopflänge und Kopfdurchmesser (durch die Verwendung so genannter Großkopfkomponenten > 32 mm lässt sich beispielsweise der nutzbare Bewegungsumfang vergrößern), eventuell vorbestehende, anlagebedingte Besonderheiten wie eine Hüftdysplasie und auch der Operationszugang sollen exemplarisch genannt sein. Das Zusammenspiel dieser Komponenten hat unmittelbaren Einfluss auf den Bewegungsumfang des neuen Gelenkes, die Neigung und Richtung zur Ausrenkung und die Beinlänge. Diese Faktoren werden bei der Planung der Prothesenpositionierung berücksichtigt. Letztes Endes kann aber durch eine ausreichende Kraft in einer ungünstigen Richtung (z.B. ein Sturz) jedes Gelenk ausgekugelt werden.
Die ersten 3 Monate
Aus diesen Gründen ist es schwierig, allgemeingültige Regeln aufzustellen. Jedoch kann man voraussetzen, dass in den ersten 3 Monaten nach der Operation eine besonders labile Situation besteht. In dieser Zeit heilen die Gelenkkapsel und Muskelansätze und erhöhen zunehmend die Stabilität.
Vermeiden Sie in dieser Zeit spontane Bewegungen, vor allem, wenn das operierte Bein das Standbein ist. Sie können sonst auf eventuelle Signale, die ihr Körper ihnen gibt, nicht mehr angepasst reagieren. So ist gerade das Drehen des Rumpfes über das auf dem Boden stehende Bein und das schnelle Vorbeugen zum Anziehen der Schuhe oder Strümpfe durchaus kritisch. Verwenden Sie gerade und feste Sitzflächen und lassen Sie sich nicht in weiche Sessel fallen, die womöglich tiefer sind, als Sie zunächst gedacht haben. Überlegte Bewegungen, Vorsicht beim Einsteigen in die Badewanne oder Dusche sind geboten, rutschsichere Matten sehr sinnvoll. Auch können Griffe hilfreich sein.
Bereits zu diesem frühen Zeitpunkt können Sie schwimmen, wobei Sie bei einer Hüftprothese zunächst auf Brustschwimmen verzichten sollten, da hierdurch eine Hebelwirklung eintreten kann. Saunabesuche können zu einer vermehrten Schwellung des Beines führen, weil sich die Lymphgefäße noch nicht regeneriert haben und die wärmebedingte Mehrdurchblutung nicht kompensiert werden kann. Auch Rad fahren ist sinnvoll und gerade bei Knieprothesen förderlich, wobei das Auf- und Absteigen aus den oben geschilderten Gründen vorsichtig erfolgen sollte.
Eine oft gestellte Frage betrifft das Auto fahren. Einerseits muss man jederzeit von notwendigen starken Bremsmanövern ausgehen und hierbei können extreme Stauchungskräfte auftreten. Andererseits gibt es auch versicherungstechnische Aspekte. Solange Sie Gehhilfen verwenden, wird man Ihnen Einschränkungen und unzureichende Reaktionszeiten unterstellen, was unter Umständen eine Teilschuld bewirkt — gerade wenn die Gehhilfen auf dem Rücksitz liegen. Selber fahren sollten Sie also erst wieder, wenn Sie die Gehhilfen nur noch gelegentlich benötigen.
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