Endoprothetik
Patienteninformation
Die „zementfreie“ Gradschaftprothese
Der Goldstandard der Hüftendoprothetik besteht derzeit in einer zementfrei verankerten Gradschaftprothese aus Titan, die auf den Österreicher Prof. K. Zweymüller zurückgeht. Die raue Oberflächenstruktur der Titanimplantate führt zu einem regelrechten Einwachsen dieser Prothesen in den Knochen. Diese knöcherne Integration führt zu sehr langen Standzeiten. Allerdings sollte dieser Prozess durch eine etwa 6-wöchige Entlastungsphase gefördert werden.
Die fehlende Zementverankerung dieses Prothesentyps kann eventuell später erforderliche Wechseleingriffe wesentlich vereinfachen, so dass sich solche Prothesen besonders für aktive Patienten mittleren Alters eignen. Mittlerweile hat das über Jahrzehnte bewährte Schaftdesign Modifikationen erfahren, um die Knochensubstanz im Bereich der Muskelansätze zu schonen und in geeigneten Fällen die Implantation auch über einen minimal-invasiven Zugang zu ermöglichen (MIA®). Ein weiteres, besonderes Merkmal dieser Prothese ist eine Hydroxylapatit-Beschichtung. Dieses Mineral entspricht der anorganischen Knochengrundsubstanz, was zu einer sehr schnellen Einheilung dieser Implantate führt. Dadurch entfällt in der Regel die sonst übliche Entlastungsphase bei zementfreien Prothesenschäften und stellt unseren Standard dar.
Die Verankerung der Pfanne erfolgt als Titanschraubring oder nach dem Press Fit-Prinzip, wobei sich das Pfannenimplantat durch eine geringe „Übergröße“ in der knöchernen Pfanne verklemmt. Die Knochenqualität entscheidet in der Regel über die Wahl des Pfannentyps. Die Primärfestigkeit dieser Pfannen ist in der Regel so hoch, dass eine volle Belastbarkeit unmittelbar gewährleistet ist.
Die Gleitpaarungen der eigentlichen Gelenkkomponenten bestehen in der Pfanne meist aus Polyäthylen, aber auch Keramik und Metalleinlagen sind möglich, sowie aus Keramik- beziehungsweise Metallköpfen auf dem Schaft. So besteht ein sehr günstiges Abriebverhalten, insbesondere durch die Verwendung von hochvernetzten Kunststoffen. Letztlich hat jede Gleitpaarung ihre eigenen Vorzüge und Nachteile, die im Einzelfall zu bewerten sind. Über Jahre hinweg galten 32 mm Kugelköpfe als Standard. In neuerer Zeit werden häufig größere Köpfe verwendet (36 mm und 40 mm), da mit der Kopfgröße der Bewegungsumfang steigt während das Verrenkungsrisiko sinkt und sich das Abriebverhalten noch weiter verbessert. Diesen Variationsmöglichkeiten werden aber durch den Außendurchmesser der eigentlichen Pfanne limitiert.
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