Endoprothetik

Patienteninformation

„Das künstliche Kniegelenk“

Die Funktion des Kniegelenkes ist wesentlich komplexer, als die Anlage als Scharniergelenk zunächst vermuten lässt. So gibt es neben der scharniertypischen Rollbewegung auch eine Gleit- und Rotationsbewegung bei der Streckung und Beugung im Kniegelenk. Das Zusammenspiel mit den Kreuz- und Seitenbändern sichert die stabile Funktion des Kniegelenkes, dem auch der Ersatz Rechnung tragen muss. Extrem hohe Kräfte auf die Verankerung der Prothesenkomponenten haben hier bisher nicht zu einer sicheren zementfreien Verankerung, insbesondere am Schienbein, geführt.

In den Unter- und Oberschenkel ausstrahlende Schmerzen, eine eingeschränkte Beweglichkeit und wiederkehrende Gelenkschwellungen, sind Ausdruck des Verschleißes, der nach Ausschöpfung konservativer Maßnahmen und eventuell arthroskopischer Eingriffe bei entsprechendem Leidensdruck ein künstliches Gelenk erforderlich machen kann. In vielen Fällen beobachtet man mit dem Fortschreiten der Erkrankung auch eine zunehmende Achsabweichung (meist zum O-Bein) und Instabilität des Gelenkes.

Beispiele von Röntgenaufnahmen bei Arthrose des Kniegelenkes:

Typische Arthrose der Knieinnenseite - der innere Gelenkspalt ist fast<br /> vollständig aufgebraucht

Typische Arthrose der Knieinnenseite
- der innere Gelenkspalt ist fast
vollständig aufgebraucht

Erhebliche Arthrose der Knieaußenseite mit knöchernem Defekt und Instabilität

Erhebliche Arthrose der Knieaußenseite
mit knöchernem Defekt und Instabilität

Computergestützte Planung einer Hüftprothesenoperation

Computergestützte Planung einer
Knieprothese: rechts Vermessung und
Skalierung des Ausgangsbefundes,
links korrigierte Beinachse und
positionierte Planungsschablonen der
vorgesehenen Prothese.



Knieprothesen werden in Deutschland mittlerweile beinahe ebenso häufig eingesetzt wie Hüftimplantate. In der Vergangenheit wurde durch Optimierungen an den gezeigten Prothesentypen und den hierfür notwendigen Instrumenten versucht, den komplexen Bewegungsabläufen des Kniegelenkes gerecht zu werden und eine ideale Positionierung der Komponenten zu gewährleisten, um längere Standzeiten und eine optimale Funktion zu erzielen. Drehbare Kunstoffauflagen (Inlays), Verbesserungen der Inlayform und der Materialien sowie die Navigation seien beispielhaft genannt. In vielen Fällen konnten hierdurch Verbesserungen erzielt werden, welche die durchschnittliche Haltbarkeit einer Knieprothese wesentlich verbessert haben, so dass die Standzeit sich zunehmend der der Hüftprothesen angenähert hat. Zum Teil zeigte sich allerdings mit der konsequenten Weiterentwicklung, dass auch wieder ein Nachteil in anderer Hinsicht entstand.

Die Notwendigkeit zum Ersatz des Kniegelenkes sollte in jedem Fall streng überlegt sein. Nicht alle Erwartungen in Bezug auf Schmerzlinderung, Funktion, Haltbarkeit, fortgestehende Gelenkreizungen können vorhersehbar beeinflusst werden.

Durch die geschilderten Aspekte der komplexen Bewegungsabläufe, dem unterschiedlichen Patientenalter sowie weiteren, persönlichen Konstellationen erklären die verschiedenen Prothesenarten, die wir an Hand der von uns verwendeten Implantate vorstellen möchten.

Auch in der Knieendoprothetik erfolgt im Vorfeld eine computergestützte Planung, mit der Besonderheiten erfasst werden können, die gewünschte Achskorrektur bereits simuliert wird und zuletzt auch die korrekte Größe und Position der Implantate orientierend geplant werden können.