Osteoporose
Patienteninformation
Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose
Diagnostik
Von entscheidender Bedeutung ist der Erkennung der Patienten, die ein besonders hohes Risiko haben, eine manifeste Osteoporose mit den resultierenden Komplikation zu erleiden. Eine erste Filterstufe stellt die Erfassung eines persönlichen Risikoprofiles dar, welches abhängig von der Konstellation eine Basisdiagnostik der Osteoporose erforderlich macht.
Individuelle und klinische Risikofaktoren für osteoporosebedingte Brüche
In der folgenden Zusammenstellung sind Risikofaktoren zusammengestellt, bei denen in Abhängigkeit von Alter und Geschlecht ein 10-Jahres Bruchrisiko von > 20% für Wirbelkörper- und Schenkelhalsbrüche vorliegt, beziehungsweise möglich ist oder bei denen sich unmittelbare therapeutische Konsequenzen ergeben. Ab einem Alter von 70 Jahren bei Frauen und von 80 Jahren bei Männern liegt das Risiko generell > 20%. Ein positives Risikoprofil stellt die Notwendigkeit zur weiteren Basisdiagnostik zur Osteoporose dar. Damit ist zunächst noch keine Aussage zur Therapiebedürftigkeit gegeben.
| Frauen | < 50 Jahre | 50-60 Jahre | 60-70 Jahre |
|---|---|---|---|
| Männer | < 60 Jahre | 60-70 Jahre | 70-80 Jahre |
| Einzelne Wirbelkörperbrüche ab 2. Grades (mehr als 25% Höhenminderung) | +(D) | +(A) | +(A) |
| Mehrfache Wirbelkörperbrüche | +(D) | +(A) | +(A) |
| Orale Glukokortikoide ≥ 7,5 mg Prednisolonäquivalent ≥ 3 Monate* | +(A) | +(A) | +(A) |
| Cushing-Syndrom* | +(B) | +(B) | +(A) |
| Subklinischer Hyperkortisolismus* | +(D) | +(D) | +(B) |
| Primärer Hyperparathyreodismus* | +(B) | +(B) | +(B) |
| Einzelne Wirbelkörperfraktur 1. Grades (bis 25% Höhenminderung | ** | ** | +(A) |
| Orale Glukokortikoide ≤ 7,5 mg Prednisolonäquivalent ≥ 3 Monate* | +(A) | +(A) | |
| Therapie mit Glitazonen bei Frauen | +(D) | +(A) | |
| Wachstumshormonmangel bei Hypophyseninsuffizienz | +(B) | +(B) | |
| Brüche außerhalb der Wirbelsäule nach dem 50. Lebensjahr | ** | +(A) | |
| Therapie mit Aromatasehemmern* | ** | +(A) | |
| Antiandrogene Therapie* | ** | +(A) | |
| Rheumatoide Arthritis | ** | +(A) | |
| Schenkelhalsfraktur eines Elternteils | +(B) | ||
| Untergewicht BMI ≤ 20* | +(A) | ||
| Nikotinkonsum* | +(A) | ||
| Multiple Stürze* | +(A) | ||
| Immobilität* | +(A) | ||
| Epilepsie/Antiepileptika* | +(A-B) | ||
| Zustand nach Magen (-teil)resektion | +(A) | ||
| Diabetes mellitus Typ I | +(A) | ||
| TSH-Werte < 0,3 mU/l* | +(B) | ||
| Sturzbegünstigende Medikamente | +(B-D) |
(*) aktuelles Risiko oder vor weniger als 12-24 Monaten beendet
(**) Einzelfallentscheidung
(A-D) Empfehlungsgrad nach SIGN bzw. Oxford-Kriterien
Diese Zusammenstellung entspricht den aktuellen Risikoeinschätzungen der DVO-Leitlinien. Im Einzelfall wird Ihnen ihr behandelnder Arzt bei der persönlichen Bewertung ihres Risikoprofiles helfen. Eine erste und einfache Hilfe bieten Risiko-Tests, die Online im Internet zur Verfügung stehen. Beispielhaft seien hier die folgenden Adressen genannt:
Die Basisdiagnositik
Klinische Chemie
Das durch die Osteoporose gestörte Gleichgewicht im Knochenanbau und —abbau führt zu nachweisbaren Veränderungen bestimmter Blut — und Urinwerte, so dass diese Untersuchungen gezielt zur Abklärung eines Osteoporoseverdachts eingesetzt werden können. Von besonderer Bedeutung sind solche Untersuchungen zum Ausschluss beziehungsweise Nachweis von Erkrankungen, die zu einer sekundären Osteoporose führen können. Eine Erhöhung des TSH-Hormonspielgels als Ausdruck einer Schilddrüsenüberfunktion kann somit beispielsweise ein wichtiger Hinweis auf einen gesteigerten Knochenabbau sein.
Röntgendiagnostik
Neben diesen Laboruntersuchungen zählen die normale Röntgendiagnostik zum Nachweis stattgehabter Osteoporosekomplikationen wie Wirbelkörperbrüchen und die Knochendichtemessung zu den wichtigsten diagnostischen Verfahren. Auf letztere wird weiter unten noch einzugehen sein.
An erster Stelle stehen aber die Untersuchung und Befragung des Patienten, denn diese ergibt eventuell ebenfalls wertvolle Hinweise. So kann die typische Buckelbildung und eine Abnahme der Körpergröße als Folge osteoporotischer Wirbelbrüche nachgewiesen werden. Aus der Patientengeschichte können wesentliche Aspekte des Risikoprofiles (z. B. Schenkelhalsbruch der Eltern, insbesondere der Mutter) zusammengestellt werden.
Knochendichtemessung (Osteodensitometrie)
Neben der allgemein empfohlenen Knochendichtemessung nach der DXA-Methode gibt es einige weitere Untersuchungsverfahren wie die Ultraschallmessung und das quantitative Computertomogramm (qCT). Diese Untersuchungen ergeben ebenfalls valide Messwerte für die Knochenmineraldichte, allerdings liegen nur für die DXA-Messung ausreichende Referenzen und vor allem therapeutische Ableitungen vor, so dass diese Methode derzeit als Goldstandard gilt. In der Zukunft werden neuere Untersuchungsverfahren, z. B. das extrem hochauflösende CT, welches Einblicke in die Feinarchitektur der Knochen ermöglicht, durchaus neue Erkenntnisse bringen.
Die mit der DXA-Methode gemessenen Werte als Referenz für die Knochendichte werden in Relation zur maximalen Knochendichte knochengesunder 30 — 40-jährigen Frauen gesetzt. Die Abweichung zu diesem „Normalwert“ wird als T-Wert bezeichnet und ist damit nicht alterskorrigiert. Wie oben bereits ausgeführt wurde, spricht man erst ab einer 2,5-fachen negativen Standardabweichung von einer behandlungsbedürftigen Osteoporose. Dies kann jedoch nicht generell ausgesagt werden, weil die Interpretation des T-Wertes die dem reinen Messwert fehlende Alterskorrektur berücksichtigen muss. Von Interesse ist daher die Differenz des individuell gemessenen Wertes zum Durchschnitt der eigenen Altersgruppe, also der Unterschied zum altersüblichen Verlust an Knochendichte. Dieser Differenzwert wird als Z-Wert bezeichnet und ist auf den Protokollen der DXA-Messung ebenfalls ausgewiesen. Erst ab einem Alter von 70 Jahren bei Frauen und 80 Jahren bei Männern ist der Unterschied der beiden Werte zueinander zu vernachlässigen. Gemessen wird über dem 1. bis 4. Lendenwirbelkörper sowie über den Schenkelhalsregionen, wobei sowohl die Einzelwerte als auch die Mittellung berücksichtigt werden. Natürlich müssen Ausschlusskriterien für eine solche Messung berücksichtigt werden. Ein ehemals gebrochener Wirbelkörper kann beispielsweise nicht mehr verwertet werden, da hier falsch hohe Werte gemessen werden würden.
Arthroskopische Operationen:
Endoprothetik:
Osteoporose:
- » Wenn der Knochen an Stabilität verliert
- » Diagnostik und Therapie
der Osteoporose - » Einführung
- » Diagnostik
- » Therapie
- » Ballonkyphoplastie

