Osteoporose

Patienteninformation

Prophylaxe, Diagnostik und Therapie der Osteoporose

Entsprechend der zunehmenden Bedeutung der Osteoporose möchten wir mit diesem Artikel weiter auf die Hintergründe dieser Erkrankung eingehen. Neben allgemeinen Ausführungen zu den Grundlagen der Erkrankung werden die Aspekte der Prophylaxe, der Diagnostik und der Therapie in enger Anlehnung an die aktuellen Leitlinien zur Osteoporose im Erwachsenenalter des Dachverbandes Osteologie dargestellt.

Was ist Osteoporose?

Als Osteoporose bezeichnet man den Verlust an Knochenmasse und einer daraus folgenden Störung der Feinarchitektur. Dies führt zu einer erhöhten Bruchanfälligkeit und betrifft das gesamte Skelettsystem, wenn auch bestimmte Regionen besonders gefährdet sind: Wirbelkörper, Schenkelhals und Speichenknochen.

Unter normalen Bedingungen unterliegt unser Knochengewebe einem ständigen Ab- und Anbau. Auf diese Weise kann sich der Knochen an wechselnde Belastungen anpassen und auch heilen. Dabei bildet das Knochengewebe eine Matrix, in die die Mineralstoffe Calcium und Phosphat eingelagert werden. Hierdurch gewinnt der Knochen seine Festigkeit.

Die Einlagerung der Mineralien in den Knochen unterliegt dem Einfluss von Vitamin D und dem Schilddrüsenhormon Calcitonin. Die Auslösung vor allem von Calcium wird durch das Nebenschilddrüsenhormon Parathormon gesteuert. Die Ausbildung dieser knochenaktiven Hormone wird durch die Geschlechtshormone Testosteron und Östrogen beeinflusst.

Während bis zum jungen Erwachsenenalter diese Steuerung in einem anpassungsfähigen Gleichgewicht steht, ist der Knochenstoffwechsel mit zunehmendem Alter nicht mehr in der Lage, dem Abbau durch entsprechende Aktivierung des Knochenaufbaus entgegen zu wirken. Der Knochen verliert zunehmend an Masse und Festigkeit. Bezogen auf die durchschnittliche Knochendichtemasse knochengesunder Frauenzwischen 30 und 40 Jahren bezeichnet man eine Minderung der Knochendichtemasse bis zur 1 fachen negativen Standardabweichung als normal und bis zur negativen 2,5 fachen Standardabweichung als Osteopenie. Noch geringere Knochendichtemassen unterhalb der negativen 2,5 fachen Standardabweichung werden dann als Osteoporose definiert. Diese Betrachtung ist also erst einmal altersunabhängig. Bedenkt man, dass ein Knochendichtemasse-Verlust mit zunehmendem Alter gewissermaßen normal ist, so gilt es, mittels entsprechender Risikoprofile und Messmethoden, diejenigen Menschen herauszufiltern, deren Verlust an Knochendichtemasse das altersübliche Maß übersteigt. In diesen Fällen ist das Risiko, einen osteoporosebedingten Knochenbruch zu erleiden, besonders hoch.

Neben dieser alters- und geschlechtshormonabhängigen Umstellung des Knochenstoffwechsels, die krankhafte Ausmaße annehmen kann, gibt es eine Reihe von anderen Erkrankungen und äußeren Einflussfaktoren, die den Knochenaufbau stören oder den Knochenabbau beschleunigen, so dass das Gleichgewicht des Knochenstoffwechsels ebenfalls nicht mehr gewährleistet ist. Die Folge kann dann ebenfalls eine Osteoporose sein, die dann als „sekundär“ bezeichnet wird. Näheres hierzu ist unter den Risikofaktoren aufgeführt.

Während bei den Osteoporosen das Knochengewebe selbst nicht verändert ist, gibt es auch Erkrankungen der Knochengrundsubstanz selbst. Diese werden bei entsprechender Verminderung der Festigkeit als Osteomalazie bezeichnet. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die „englische Krankheit“ oder auch Rachitis, die durch Vitamin D-Mangel ausgelöst wird und leider heutzutage wieder häufiger zu beobachten ist.

Epidemiologie

Betrachtet man die epidemiologischen Zahlen zur Osteoporose, so wird die große Bedeutung dieser Erkrankung für unsere Gesellschaft schnell deutlich.

Die zunehmend längere Lebenserwartung und der darin steigende Anteil von Frauen (aufgrund der längeren Lebenserwartung) führen zu einer jährlichen Prävalenz (≈Häufigkeit) der Osteoporose von 7% (55 jährige Frauen) und 19% (80 jährige Frauen). Bezogen auf die Gesamtbevölkerung schwankt die Prävalenz zwischen 4 und 8%. Betrachtet man die Gesamtheit der über 50 jährigen, so sind 25,8% der Bevölkerung, das sind etwa 7,8 Millionen Menschen, betroffen. In der Gruppe der über 75 jährigen sind es bereits 60%. Der steigende Anteil älterer Menschen wird die Situation also weiter verschärfen.

Prophylaxe

Wichtigste Maßnahme ist sicher eine nachhaltige Aufklärung. Informationsmangel sollte nicht zur Sorglosigkeit und zum Verpassen sinnvoller Möglichkeiten der Osteoporosevermeidung und Auslassen von rechtzeitigen Therapiemöglichkeiten führen.

Die folgenden Maßnahmen sind gemäß den aktuellen Leitlinien geeignet, die Osteoporose zu vermeiden, beziehungsweise deren Folgen zu mindern:

Muskelkraft, Koordination und Sturzvermeidung

  • Regelmäßige körperliche Aktivität mit der Zielsetzung, Muskelkraft und Koordination zu fördern
  • Vermeidung von Immobilisation
  • Jährliche Feststellung des Sturzrisikos ab einem Alter von 70 Jahren
  • Bei erhöhtem Sturzrisiko Ursachen und Risikoabklärung sowie Therapie vermeidbarer Sturzursachen
  • Sicherstellung einer ausreichenden Versorgung mit Vitamin D zur Sturzvermeidung (ggf. durch Nahrungsergänzung mit Vitamin D und Therapie mit Alfacalcidol)

Ernährung und Lebensstil

  • Ausreichende Kalorienzufuhr bei einem Body Mass Index < 20 und Ursachenabklärung des Untergewichtes
  • Zufuhr von 1000 mg Kalzium mit der Nahrung. Wenn nicht gewährleistet: Individuelle Ergänzung. Dabei sollte die Gesamtzufuhr von Kalzium 1500 mg täglich aber nicht übersteigen
  • Mindestens 30 Minuten täglich die unbekleideten Körperteile dem Sonnenlicht aussetzen, um ausreichend Vitamin D zu bilden. Wenn nicht gewährleistet: Ergänzung von 800 — 2000 IE Vitamin D täglich oder einer mengengleichen Dosis mehrwöchentlich
  • Ausreichende Zufuhr von Vitamin B12 und Folsäure mit der Nahrung
  • Nikotinabstinenz

Überprüfung des Medikamentenprofils

Die folgenden Medikamente sollten in Hinblick auf Notwendigkeit und Dosis aufgrund einer Erhöhung des Sturzrisikos- beziehungsweise einer Förderung der Osteoporose überprüft werden:

  • Antiepileptika
  • Antidepressiva
  • Sedativa (Beruhigungsmittel)
  • Orthostase auslösende Medikamente (bei Kreislaufschwäche)
  • Neuroleptika
  • Glitazone bei Frauen (Diabetestherapie)
  • Glukokortikoide
  • L-Thyroxin-Therapie
  • Protonenpumpeninhibitoren in der Langzeittherapie

Die genannten Maßnahmen haben einen schnell einsetzenden Effekt, der allerdings auf die Dauer der Durchführung beschränkt ist.

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